
Nicht nur Kriege und Angriffe, sondern auch die Überflutungen durch den Piave machten den alten Einwohnern des alten Equilio das Leben schwer. Der Fluß änderte bekanntlich seinen Lauf mehrere Male.
In der Geschichte dieser Region ist die Überflutung von 589, zwei Jahrzehnte nach der Langobardeninvasion, sehr berühmt. Davon berichtet Paulus Diaconus im 23. Kapitel seiner Historia Langobardorum: in jener Zeit gab es eine Überschwemmung in den Gebieten Venetiens, Liguriens und anderer Regionen Italiens, wovon, wie ich glaube, seit Noahs Zeiten kein Beispiel gegeben.
Felder und Bauernhöfe wurden zu einem riesigen Meer, Tiere und Menschen starben. Straßen und Pfade wurden weggespült, und das Wasser vom Etsch stieg so hoch, daß es bis zu den oberen Fenstern der Basilika des heiligen Zeno außerhalb der Stadtmauern von Verona reichte, aber, so schrieb der heilige, spätere Papst Gregor, in die Kirche drang kein einziger Tropfen Wasser.
Veronas Stadtmauern wurden teilweise beschädigt. Die Überschwemmung geschah am 23. Oktober. Nachher gab es viele Donner und Blitze, so viele sind auch im Sommer sehr selten.
Und nach zwei Monaten wurde ein Großteil der Stadt von einem Feuer zerstört.
Wladimiro Dorigo schrieb in seinem Buch “Venezie sepolte nella terra del Piave” (Roma 1994, S. 106), daß die katastrophale Überschwemmung vom 23. Oktober 589, die wahrscheinlich auch den Lauf einiger Flüsse wie des Etsch veränderte, möglicherweise eine niederschlagende Wirkung auf die geographische Lage der ganzen Region hätte.![]()
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Das Ereignis war nicht ein Sonderfall, sondern geschah in einer ungewöhlich schwierigen klimatischen Epoche, in der der Überlieferung zufolge viele solcher Überschwemmungen das Land verheerten.
Der Historiker Dorigo führt zwischen 389 (zur Zeit Teodosios) und 886 (kurz vor Berengarius I. Krönung) ein Dutzend solcher Ereignisse an, die auf verschiedene Weise die Region verwüsteten und die Bevölkerung dezimierten.
Die Monate (Oktober-November), in denen solche Überschwemmungen geschahen, waren vor allem die Zeit des Herbsthochwassers in den Flüssen und Kanälen und geben uns Aufschluß über die Ursache dieser Vorfälle und ähnlicher, wohlbekannter katastrophaler Ereignisse der letzten Jahrzehnte.
Diesen Überschwemmungen, die sich ohne Zweifel auch in anderen Teilen Ostitaliens und in anderen Flüssen wiederholte, schreiben die Historiker große Schäden in dem Gebiet Jesolos zu, auch wenn es keine schriftlichen Zeugnisse davon gibt.
Schließlich, der Historiker Giorgio Piloni beschrieb in seiner Historia di Belluno (1607) die Überschwemmung von 1512, die auch Treviso traf, folgendermaßen: Die Flüsse stiegen dieses Jahr wegen des Regens und der Überschwemmungen stark an und richteten überall große Schäden an, rißen die Brücken nieder, entwurzelten Bäume und verheerten die Felder.
Und der Fluß Piave, gewaltig angestiegen, trat aus den Ufern heraus und fließ durch die Mark von Treviso, mit großer Kraft drang er in die Stadt hinein und zerstörte die Bethlehemerbrücke.
Was uns heute aber mehr interessiert, sind die Ursachen, die von dem Historiker angeführt werden. Sein Bericht klingt sehr modern: Die Ursache dieser Überschwemmungen ist allen bekannt.
Denn die Bäume werden in den Bergwäldern niedergerissen und entwurzelt, der Boden wird angebaut, und wenn der Regen kommt, ist das Wasser durch nichts zu halten, und fließt vielmehr rasch mit der Erde aus den Feldern hinunter, stürzt in die Bäche hinein, die sich in den Fluß Piave verlieren, dieser wird dann durch das Wasser und die Erde größer und tritt aus den Ufern heraus, beschädigt die Felder und erreicht dann die Lagune von Venedig, wo er Kanäle und Wasserwege verschüttet.
Dies geschah in den alten Zeiten nicht, weil die Berge unbebaut waren, davon kam also klares Wasser herunter, und mit weniger Kraft und in kleinerem Maß, weil es von dem Gras und den Blättern gehalten wurde, was heute nicht mehr geschieht.
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